Die zunehmende Verbreitung von Kunststoffventilen
Obwohl Kunststoffventile mitunter als Spezialprodukt gelten – eine bevorzugte Wahl für Hersteller und Entwickler von Kunststoffrohrleitungen für industrielle Systeme oder für Anwender mit höchsten Reinheitsanforderungen –, ist die Annahme, diese Ventile hätten nur wenige allgemeine Einsatzmöglichkeiten, kurzsichtig. Tatsächlich bieten Kunststoffventile heute ein breites Anwendungsspektrum, da die zunehmende Vielfalt an Materialien und die Expertise von Konstrukteuren, die diese Materialien benötigen, immer neue Einsatzmöglichkeiten für diese vielseitigen Werkzeuge eröffnen.
EIGENSCHAFTEN VON KUNSTSTOFF
Die Vorteile von Kunststoffventilen sind vielfältig: Korrosions-, Chemikalien- und Abriebbeständigkeit, glatte Innenwände, geringes Gewicht, einfache Installation, lange Lebensdauer und niedrige Lebenszykluskosten. Diese Vorteile haben zu ihrer breiten Akzeptanz in kommerziellen und industriellen Anwendungen geführt, beispielsweise in der Wasserverteilung, Abwasserbehandlung, Metall- und Chemieverarbeitung, Lebensmittel- und Pharmaindustrie, Kraftwerken, Ölraffinerien und vielen weiteren Bereichen.
Kunststoffventile können aus verschiedenen Materialien in unterschiedlichen Ausführungen hergestellt werden. Die gängigsten Kunststoffventile bestehen aus Polyvinylchlorid (PVC), chloriertem Polyvinylchlorid (CPVC), Polypropylen (PP) und Polyvinylidenfluorid (PVDF). PVC- und CPVC-Ventile werden üblicherweise durch Kleben der Muffenenden oder durch Gewinde- und Flanschverbindungen mit Rohrleitungssystemen verbunden. PP- und PVDF-Ventile hingegen erfordern die Verbindung der Rohrleitungskomponenten mittels Heiß-, Stumpf- oder Elektroschweißverfahren.
Obwohl Polypropylen nur die halbe Festigkeit von PVC und CPVC aufweist, bietet es die vielseitigste chemische Beständigkeit, da keine Lösungsmittel bekannt sind. PP verhält sich in konzentrierter Essigsäure und Hydroxiden gut und eignet sich auch für mildere Lösungen der meisten Säuren, Laugen, Salze und vieler organischer Chemikalien.
PP ist als pigmentiertes oder unpigmentiertes (natürliches) Material erhältlich. Natürliches PP wird durch ultraviolette (UV-)Strahlung stark abgebaut, Verbindungen mit einem Rußanteil von über 2,5 % sind jedoch ausreichend UV-stabilisiert.
PVDF-Rohrleitungssysteme werden aufgrund der Festigkeit, der hohen Betriebstemperatur und der chemischen Beständigkeit von PVDF gegenüber Salzen, starken Säuren, verdünnten Basen und vielen organischen Lösungsmitteln in einer Vielzahl industrieller Anwendungen eingesetzt, von der Pharmaindustrie bis zum Bergbau. Im Gegensatz zu PP wird PVDF durch Sonnenlicht nicht abgebaut; allerdings ist der Kunststoff für Sonnenlicht transparent und kann das Medium UV-Strahlung aussetzen. Während eine natürliche, unpigmentierte PVDF-Formulierung hervorragend für hochreine Anwendungen in Innenräumen geeignet ist, würde die Zugabe eines Pigments, beispielsweise eines lebensmittelechten roten Farbstoffs, die Exposition gegenüber Sonnenlicht ohne negative Auswirkungen auf das Medium ermöglichen.
Veröffentlichungsdatum: 29. September 2020